Basismedizin nach Dr. med. Franz Prause

Die Bekanntschaft mit Dr. med. Franz Prause machte ich während meiner Assistenzzeit in Thüringen. Ich lernte ihn als Querdenker, hoch kompetenten und wissenden, berufenen Mediziner kennen, der trotz diverser Hindernisse und Gegenwehr aus dem Kollegenkreis beständig seinen Weg fortsetzte.
Dr. med. Prause behandelte unter sehr einfachen Umständen Zuhause und in seiner Gartenlaube auf einem Zeltplatz in Neumannshof an der Saale. 

Unter Dr. med. Prause durfte ich die Untersuchung und seine Basismedizin kennen- und anwenden lernen. Dabei bestand er auch darauf, mich selbst Behandlungen zu unterziehen, um das Vorgehen und die Wirkung nachvollziehen zu können. 

Dr. med. Franz Prause (1916-2011) wurde im heutigen Tschechien geboren. Er studierte in Prag und Hamburg Humanmedizin und arbeitete im zweiten Weltkrieg als Arzt in verschiedenen Lazaretten. Später war er in Eisenach und Sonneberg als Facharzt für Innere Medizin tätig und bekam leitende Positionen übertragen. Bei der Behandlung von Schmerzzuständen mit modernen Methoden der Schulmedizin, insbesondere der häufigen Verordnung von Medikamenten, beobachtete Dr. med. Prause immer wieder unbefriedigende Resultate und hinterfragte die Therapieansätze.

Auf der Suche nach einer wirksamen Therapie entwickelte Dr. med. Prause seine Basismedizin, die er bis ins hohe Alter mit großem Erfolg praktizierte.

Zunächst sah Dr. med. Prause positive und durchgreifende Ergebnisse bei der Behandlung von Schmerzpatienten durch eine Masseurin, die spezielle Handgriffe nutzte. Er ließ sich von ihr selbst behandeln und in dieser Massageart ausbilden. Dadurch wurde es ihm möglich, feine Spannungsunterschiede im Körpergewebe, wie der Muskulatur, dem Binde-, Haut- und Fettgewebe, der Patienten zu erkennen. Auch war ersichtlich, dass die Massage so tief wie nötig erfolgen musste, um auch die untersten Schichten der Muskulatur zu erreichen. Damit waren Schmerzen während der Massage unvermeidlich.

Als weiteres Element seiner Basismedizin entwickelte Dr. med. Prause die Nadelung schmerzhafter oder auffälliger Weichteilgewebe in Abhängigkeit vom Tastbefund. Er nannte dies „dry needling“ bzw „Triggerakupunktur“. Er befasste sich auch mit der traditionellen chinesischen Medizin und dabei speziell mit der Akupunktur, wandte sie jedoch bei der Nadelung nicht an. Die Manuelle Medizin komplettierte schließlich seine Behandlungen.

Diese Kombination aus Massage, Nadelung und Manueller Medizin nannte er seine Basismedizin, da er Schmerzen und andere Beschwerden ursächlich behandeln konnte, also dort, wo sie tatsächlich auch entstanden waren.

Dr. med. Prause verfügte über große Lebenserfahrung und 70 Jahre Berufserfahrung, von denen er sehr viele Jahre nur noch auf diese Art und Weise arbeitete. Er strebte mit seiner Therapie die Normalisierung der, von ihm so benannten, Fehlsteuerung des Patienten an. Damals war unter anderem das Bindegewebe (Faszien) in seiner Bedeutung und Aktivität für Schmerzzustände noch nicht erforscht. Dr. med. Prause musste eigene Erklärungen für seine Resultate finden. Auch bezog er beispielsweise in die Betrachtung eines Gelenkes immer die umgebenden Weichteilgewebe mit der Muskulatur ein, da sie erheblich zu im Gelenk empfundenen Schmerzen beitragen oder diese sogar auslösen können.

Dr. med. Prause setzte 6-10 Behandlungen an, um eine ausreichende Schmerzreduktion und Normalisierung der Steuerung des Patienten zu erreichen.

Dr. med. Prause behandelte unter anderem viele Schmerzzustände im Bereich des Haltungs- und Bewegungsapparates.